Luft ist Leben...

WILLKOMMEN

beim Ratgeber für gesunde Raumluft

Luft gehört zum Leben. Wir können, wenn wir uns passiv verhalten,
ca. 1 Woche ohne etwas zu trinken auskommen.
Je nach Konstitution kommen wir einige Wochen ohne Nahrung aus. Ohne Luft und dem darin enthaltenen Sauerstoff überleben wir jedoch keine 5 Minuten. Wir atmen ca. 22.000 Mal am Tag. Das sind bei einem erwachsenen Menschen etwa 12.000 Liter Luft. Tag für Tag.

Jedoch leiden rund 30 Millionen Bundesbürger unter allergischen Erkrankungen. Tendenz steigend.

Der Anteil derer, die von Atemwegsbeschwerden betroffen sind, ist sehr hoch.

Wir können weder Pollenflug noch Umweltbelastungen verhindern.

Eine spürbare Verbesserung der Umweltbedingungen durch politisches Regelwerk wird noch Jahrzehnte dauern.

Aber... Wir wissen, dass der Mensch rund 90% seiner Zeit in Innenräumen verbringt und davon gut 50% im Bett. Darum sollten wir uns - jeder Einzelne für sich - mit diesem Lebensraum befassen. Für uns, für unsere Familie, für unsere Kinder… und für ein besseres Leben!

LUFT - Was ist das???

Luft ist nicht nur Stickstoff und Sauerstoff, sondern eine Vielzahl von Stoffen.
Subjektiv sprechen wir von "guter Luft", "frischer Luft" oder auch "schlechter Luft", "stickiger Luft" oder "verbrauchter Luft." Aber was ist eigentlich Luft genau???

Luft und seine Wirkung

Hierbei reagiert unser Körper mehr oder weniger unbewusst auf ein Missverhältnis der Luft-Bestandteile oder auch auf Schadstoffe, die in der Luft enthalten sein können. In wieweit diese Schadstoffe zu Störungen des Wohlbefindens oder auch Gesundheitsstörungen führen können, hängt von deren Konzentration und Mixtur ab. Kleinkinder, Kinder, ältere Menschen wie auch Menschen (oder auch Tiere) mit chronischen Erkrankungen oder Immunschwächen reagieren hier weitaus sensibler als gesunde Menschen mittleren Alters.

Natürliche Bestandteile der Luft

Stickstoff

78 %

Sauerstoff

21 %

Argon

0,9 %

Kohlendioxid

0,03 %

+ Spuren von Helium, Neon, Metan, Krypton, Stick- stoffoxid, Wasserstoff, Ozon, Xenon und geringe Mengen radio- aktiver Spuren.

Schadstoffe in der Luft

Sowohl außerhalb wie auch in Gebäuden werden Schadstoffe erzeugt und reichern unsere Atemluft an.
Schadstoffe in der Luft werden in zwei Kategorien unterteilt: gasförmige Schadstoffe und partikelartige Luftverschmutzungen.

Schadstoffe in der Außenluft

Gasförmige Schadstoffe in der Aussenluft sind:

  • Kohlenmonoxid (CO) durch unvollständige Verbrennungsvorgänge und Strassenverkehr
  • Stickoxide (NOx) durch Strassenverkehr und Verbrennung von Gas
  • Schwefeloxid (SO2) durch Verbrennung fossiler Brennstoffe, z. B. Braunkohle
  • Schwebstaub (TSP) Feinstpartikel in Aerosolgrösse durch Verbrennung fossiler Stoffe, Windabrieb, Strassenverkehr, Vulkanasche, Erdarbeiten
  • Benzol (C6H6) durch Verbrennung von Kraftstoffen
  • Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) eingesetzt als Treibgase, Kälte-, Verschäumungs- und Feuerlöschmittel
  • Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) als Treibhausgas
  • Kohlendioxid (CO2) als Treibhausgas
  • Ozon (O3) durch Zusammenwirken von UV-Licht und Kohlenwasserstoffen bei entsprechendem Stickoxidaufkommen (z. B. Sommersmog)

Partikelförmige Schadstoffe in der Aussenluft sind:

  • Dieselruß überwiegend fein oder ultrafein durch Dieselmotoren
  • Pollen durch Blüten und Gräser
  • Schimmelpilzsporen durch Pflanzen oder totes Pflanzenmaterial, Erdboden
  • Feinstaub durch Verbrennungsprozesse, Kraftwerke.

Schadstoffe gelangen über Windbewegungen, Tür- und Fensterlüftungen in die Innenräume. Hier werden Sie angereichert durch weitere, in Wohnräumen entstehende Luftverunreinigungen.

Organische Schadstoffe werden im Freien durch natürliche Vorgänge abgebaut oder gemindert:

  • Photolyse ist die natürliche Umwandlung durch den UV-Anteil des Sonnenlichts
  • Hydrolyse ist die Reaktion eines Stoffes mit Wasser
  • mikrobieller Abbau

Zudem werden freigesetzte Schadstoffe rasch in der Aussenluft verdünnt.

Schadstoffe in der Raumluft

Schadstoffe der Außenluft gelangen über Windbewegungen, Tür- und Fensterlüftungen in die Innenräume. Nach allgemein gebräuchlicher Definition werden alle Wohnräume vom Keller bis zum Dachstuhl als Innenräume bezeichnet. Hier werden Sie angereichert durch weitere, in Innenräumen entstehende Luftverunreinigungen.

Zusätzliche Luft-Schadstoffe durch Quellen in Innenräumen:

  • Tabakrauch (Zigaretten, Zigarren, Pfeifen)
  • Kohlenmonoxid und Stickoxide durch den Stoffwechsel von Mensch und Tier, Verbrennungsvorgänge (Gasherd, offener Kamin, Kaminofen)
  • Leichtflüchtige organische Stoffe (VOC) durch Verbrennungsvorgänge, Lösemittel in Farben und Lacken, Klebstoffen, Büromaterialien, Putzmitteln usw.
  • Schwerflüchtige organische Stoffe durch Baumaterialien, Möbel, Fugendichtungen und Weichmacher in Kunststoffen und Biozide
  • Anorganische Partikel aus Asbest oder Mineralfasern
  • Radioaktive Stoffe (Radon) austretend aus dem Erdreich
  • Biologische Belastungen durch Hautschuppen und Haare sowie von Hausstaubmilben und Vorratsmilben, Schimmelpilzen sowie durch Bakterien und Viren.
  • Feinstaub und ultrafeiner Staub durch Rauchen, Kochen und Staubsaugen


Ob ein Luft-Schadstoff tatsächlich schädlich ist, ist abhängig

  • von Art und Konzentration,
  • vom Zusammenwirken verschiedener Luftbelastungen
  • von der Dauer seiner Einwirkung und
  • vom gegenwärtigen Zustand der Abwehrmechanismen in der Lunge
  • vom Körpergewicht und gesundheitlichem Zustand

Kinder sind aufgrund ihres zum Atemvolumen/Minute geringen Körpergewichts einer doppelt so hohen inhalativen Konzentrationen ausgesetzt wie Erwachsene. Alte und kranke Menschen verarbeiten aufgrund des schwächeren Immunsystems Schadstoffbelastungen ebenfalls deutlich schlechter.

Schadstoffkonzentration

Während Schadstoffe im Freien durch natürliche Vorgänge wie Hydrolyse oder Photolyse abgebaut werden können, verhält sich der Schadstoffabbau wie auch die Umwandlung und der Transport von Schadstoffen in der Raumluft deutlich anders. Die räumliche Begrenzung führt im Zusammenwirken mit modernen Wohnstandards, gut isolierten Häusern etc. zu einem unzureichenden Luftaustausch und kann eine Anreicherung von Luftschadstoffen begünstigen.

Kurzzeitig wirksame Schadstoffquellen, wie Gasherde, offene Kamine, können durch Abstellen schnell beseitig werden. Kontinuierlich emittierende Quellen, wie die Freisetzung von Schadstoffen aus Baustoffen, durch Feuchtigkeit entstehende Schimmelbildung usw. weisen über längere Zeiträume eine relativ konstante Quellstärke auf. Hinzu kommen Luftverschmutzungen, die durch das Lüften in die Räume gelangen. Autoabgase, Industrieabgase, Feinstaubbelastungen und Pollenflug finden sich in der Schadstoffbelastung der Wohnung wieder. Wie die menschliche "Haut der Spiegel der Seele" ist, ist der Hausstaub der "Spiegel der Luftverschmutzung" in den eigenen vier Wänden.

Luftverschmutzung

Das Luftverschmutzung ist nicht nur ein Thema für den Umweltschutz ist, zeigen unsere Beispiele. Feinstaub- und schadstoffbelastete Luft gelangt in Innenräume und reichert sich dort an. Zusammen mit weiteren Ausdünstungen aus dem Innenbereich kann diese Luft gesundheitlich belastend sein.

Viele freiwillige und oft auch gesetzliche Maßnahmen und Regelungen haben zu einer Reduzierung der Luftverschmutzung gerade im Industrie- und Verkehrsbereich geführt. Für die Innenräume (Wohnung, Büro, Hotelzimmer usw.) bleibt das jedoch meist ohne Folgen. Zu vielfältig können die Luftbelastungen sein, zu unterschiedlich der Schadstoff-Cocktail in Art und Konzentration!

Unsere Beispiele zeigen anschaulich, wie alltäglich Luftbelastungen für uns geworden sind:

Hausstaub

Über den Hausstaub nehmen wir die größte Menge an Luftschadstoffen auf. Der in Räumen vor zu findende Hausstaub stammt nicht mehr nur von natürlichen Materialien wie Hautschuppen und Haaren. Er ist angereichert mit Chemikalien und Kunststoffen aus seiner Umgebung.

An Staub lagern sich an:

  • Schwermetalle wie Blei und Cadmium, z.B. aus PVC-Böden
  • organische Chemikalien wie Benzol, Aldehyde, Phenole, z.B. aus Lösemitteln
  • Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze) und Asbestpartikel
  • allergene Partikel wie Pilzsporen, Milbenkot, Pollen etc

Entsprechend der Staubpartikelgrößen unterteilt man den Hausstaub in folgende Staubkategorien:

  • Feinstaub mit der Grösse von kleiner 10 µm
  • Grobstaub mit der Grösse von grösser 10 µm

    (1 Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter)

Grobstaub-Partikel bleiben mehr oder weniger gut an den Nasenhärchen oder den Schleimhäuten des Nasen-Rachenraums hängen. Kleinere und kleinste Staubpartikel im Feinstaubbereich können jedoch über die Luftröhre und die Bronchien bis tief in die Lunge vordringen. Man spricht daher von lungengängigen bzw. inhalierbaren Staubpartikeln.

Gesundheitlicher Aspekt des Hausstaubs

Aus gesundheitlicher Sicht ist nicht die gut sichtbare "Wollmaus" das Haupt-Problem. Neben dem Schadstoffgehalt des Staubes sind die sich als Schwebstaub in der Raumluft und damit in der Atemluft bewegenden Partikel relevant.

Eine Sonderform des Hausstaubs bildet das Fogging-Problem: erst in den letzten Jahren auftretende Schwarzablagerungen an Wänden und Einrichtungen, die insbesondere nach umfassenden Renovierungsarbeiten mit ökologischen Baustoffen auftreten können. Eine genaue Ursache konnte bisher nicht gefunden werden.

 

Feinstaub

Feinstaub in der Luft kann durch Vertrennungsprozesse, Kraftwerke und Industrie entstehen. Vor allem Tagebaugebiete sind eine ständige Quelle hoher Staubbelastungen für Anwohner. Sie sind, wo vorhanden, für knapp 25% der Feinstaubbelastungen verantwortlich. In diversen Städten ist dies ein präsentes Problem, da zulässige Tagesgrenzwerte oft zig Mal im Jahr überschritten werden.

Eine festgelegte Anzahl von Überschreitungen kann zwar erlaubt sein, jedoch muss bei der Überschreitung dieser Grenze ein Luftreinhalteplan erstellt werden, damit die Feinstaubbelastungen durch dann rechtlich vorgegebene gezielte Maßnahmen reduziert werden. Trotz aller Maßnahmen dürfte eine Reduzierung der Feinstaubbelastung in diesen Umfeldern in den Normalbereich unwahrscheinlich sein.

Das Institut für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf führt seit 1985 im Ruhrgebiet an deutschen Frauen eine Langzeituntersuchung zu den gesundheitlichen Folgen der Luftverunreinigung durch. Starke Luftverschmutzung, insbesondere durch den Straßenverkehr, erhöht das Risiko, an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken. Das ist das Ergebnis der Studie, welche bereits am 27. Mai 2010 in der internationalen Fachzeitschrift „Environmental Health Perspectives“ veröffentlicht wurde.

Aber auch im Büro kann zur Feinstaubbildung kommen durch den Einsatz von Kopierern und Laserdruckern. Dieses Thema wurde bisher kontrovers diskutiert. Die Herstellerlobby spielte das Problem herunter, obwohl es seit längerem Klagen von Betroffenen gibt. Studien haben gezeigt, das die gesundheitliche Problematik belasteter Raumluft in Büros zwar maßgeblich von Druckern und Kopierern bestimmt wird, wenn diese in häufiger Nutzung stehen, es jedoch letztendlich auf das Gemisch der Raumluftbelastungen ankommt. Diese individuell vorzufindenden Belastungen sind sehr unterschiedlich und in Ihren gesamtheitlichen Auswirkungen bisher nicht ausreichend untersucht.

Zudem spielt die individuelle gesundheitliche Konstitution der in diesen Räumen beschäftigten Menschen eine große Rolle.

Problematisch kann der Feinstaub auch für unsere kleinen Erdenbewohner sein. Feinstaubuntersuchungen in den Innenräumen von Kindertärten und Kita-Gruppen haben ergeben, dass hier Werte zwischen 1000 und 4500 Microgramm/m3 Luft vorkommen können, während in privaten Wohnungen zum Teil Messungen von 500 microgramm/m3 Luft nicht selten sind.

Zum Vergleich: der einzuhaltende Tagesmittelwert für Feinstaubbelastungen in der Aussenluft liegt bei 50 microgramm/m3. Dieser Wert darf entsprechend den ab 2010 verschärften gesetzlicher Regelungen nur 7 mal pro Jahr überschritten werden.

Baustellen-Staub

Baustellen-Staub kann in Extremfällen sogar zur lebensgefährlichen Bedrohung werden. Die Baustelle vor der Haustüre wird hierbei zur "Keimschleuder“. Durch den Baustellenstaub von Gross-Baustellen in unmittelbarer Nähe kann es zu hohen Staub- und eben auch Feinstaubbelastungen kommen. Besonders gefährlich kann hier der in Bodenstaub zu großen Mengen vorhandene Schimmelpilz Aspergillus werden, der sich gerade bei trockenen Wetterperioden lange im Staub und in der Luft hält.

Durch Fensterritzen oder auch das normale Lüften gelangen Feinstaub und Pilzsporen in die Raumluft und damit in die Atemluft. Besonders für immungeschwächten kleinen Patienten kann dies zur lebensbedrohenden Situation werden.

Elektro-Smog

Gesunde Luft beinhaltet ein natürliches, fast ausgeglichenes Maß an positiven und negativen Ionen. Ursachen für natürliche Luft-Ionen in der freien Natur sind die natürliche Radioaktivität, UV-Strahlung, Blitzschläge in der Atmosphäre, aber auch die Zerstäubung von Wasser usw.

Positive wie negative Ionen sind in der Außenluft in einer Höhe von mehr als 300 m über Meeresspiegel bei normaler Witterung und ohne erhöhte Luftverschmutzung zwischen 200 und 300 Ionen/cm3 in einem Verhältnis von 40:60 vorhanden. Erhöhte Verschmutzung der Luft wie auch elektrostatische Aufladungen in den Räumen beeinflussen das Verhältnis der positiven und negativen Ionen nachteilig. Elektro-Smog ist hier auch als Schlagwort zu nennen, der durch die Vielzahl der in den Haushalten und Büros genutzten elektrischen Geräte erzeugt wird.

Unser Organismus steht im ständigen Austausch mit diesen positiv oder negativ geladenen Ionen. Die Ionen entladen sich an der Haut oder in der Lunge. Sie beeinflussen den pH-Wert der Zellen und des Blutes und den Sauerstoffaustausch in der Lunge.

Silvesterknaller

Bei Feinstaubmessungen in der Silvesternacht konnte man in vielen Städten Deutschlands ein erschreckendes Ergebnis feststellen: Durch Silvester-Knaller und Böller stieg die Belastung auf das bis zu 6000-Fache an.

Normalerweise liegen die Feinstaubkonzentrationen der Außenluft bei etwa 22 Mikrogramm. Kurz nach Mitternacht wurden Werte von über 140.000 Mikrogramm (oder 140 Milligramm) gemessen.

Nur zum Vergleich: in einem Raucherbüro liegt die Belastung bei rund 10.000 Mikrogramm.

REACH-Verordnung

REACH ist eine neue Chemikalienverordnung der EU, welche im Juni 2007 in Kraft getreten ist. Sie sieht vor, Chemikalien, die vor 1981 (!!!) auf den Markt gebracht wurden, auf Ihre Gefährlichkeit zu überprüfen. Insgesamt geht das Bundesamt für Risikobewertung von rund 30.000 Chemikalien aus, die als Altlaststoffe gesundheitsgefährdend einzustufen sind. Die Untersuchungen sind zeitaufwendig, rund 30 Chemikalien wurden bisher katalogisiert. Chemikalien, die nach 1981 entwickelt wurden, fallen nicht unter diese Verordnung.

Aber: Als interessierter Verbraucher können Sie aktiv werden.

Giftige Chemikalien sind in vielen Alltagsprodukten versteckt und stehen in Zusammenhang mit verschiedenen Krankheiten wie Allergien, Asthma, Lernschwäche, Diabetes, Krebs, Endometriose, Parkinson und Unfruchtbarkeit.

Nun gibt es endlich die Möglichkeit zu erfahren, in welchen Produkten sich gefährliche Stoffe befinden. Unternehmen müssen Ihnen als Verbraucher auf Anfrage Auskunft darüber geben. Das neue Auskunftsrecht im europäischen Chemikaliengesetz REACH machts möglich. So können Sie Produkte mit gefährlichen Chemikalien erkennen und vermeiden.

Sie erhalten hier ein Anfrageformular und weitere Informationen über die richtige Vorgehensweise.
(Link auf https://www.bund.net/chemie/)

Quelle und Bildnachweis: www.bund.net

Schadstoffe in der Raumluft

Wenn wir uns unwohl fühlen, sind manchmal auch die eigenen vier Wände schuld - genauer gesagt die Raumluft. Sie kann Schadstoffe enthalten, die krank machen. Bei Untersuchungen von Quellen für Asbest, Formadehyde, Flammschutzmittel und Lösemittel stellte man zudem eine neue Belastung fest: Terpene. Das sind Ausdünstungen bzw. Duftstoffe aus Holz, die sich insbesondere in besonders abgedichteten Häusern anreichern können.

Aber auch leichtflüchtige organische Stoffe (VOC) durch Verbrennungsvorgänge, Lösemittel in Farben und Lacken, Klebstoffen, Putzmitteln usw. sowie schwerflüchtige organische Stoffe durch Baumaterialien, Möbel, Fugendichtungen und Weichmachern in Kunststoffen und Biozide stellen oftmals ein Problem in unserer Raumluft da. Nicht zu vergessen sind hierbei auch anorganische Partikel aus Asbest oder Mineralfasern sowie Feinstaub und ultrafeiner Staub, welcher z.B. durch Rauchen, Kochen und Staubsaugen entsteht.

Phenol im Bodenkleber

Bei der Verlegung von Böden wurde und wird zum Teil phenolhaltigem Kleber verarbeitet. Neben der Geruchsbelästigungen reizt Phenol Schleimhäute, Haut und Augen. Im menschlichen Körper schädigt die Substanz Nieren, Blut, Zentralnerven und das Herz-Kreislauf-System.

Kräftiges Lüften, wie es gerne zunächst in solchen Fällen empfohlen wird, hilft hier leider nichts.

Ofen, Kamin & Grill

Laut einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) produzieren PKW, LKW und Motorräder auf deutschen Straßen zusammen jährlich rund 22.700 Tonnen Feinstaub. Die etwa 14 Millionen deutschen Holzfeuerungsanlagen in Haushalten und im Kleingewerbe stoßen dagegen im Jahr 24.000 Tonnen gefährlichen Staub aus - Tendenz steigend.

Besondere Belastung in Wohngebieten: Öfen, Kamine, Grills usw. werden zwar seltener befeuert als Gas- oder Ölheizungen, stoßen dabei aber wesentlich höhere Feinstaub-Emissionen aus. Alter und Qualität der Öfen spielen sicher eine Rolle bei der Höhe des Feinstaubausstosses. Gerade auch "selbstgebaute" Kamine oder "Billig-Kaminöfen" können hier auch für den eigenen Innenraum zur gesundheitlichen Belastung werden.

Unterschätzt wird zudem der Ausstoß anderer gesundheitsgefährdender Schadstoffe wie Dioxine, Teer und krebserregende Kohlenwasserstoffe.

Luftfeuchtigkeit

Als Luftfeuchtigkeit oder Luftfeuchte wird der tatsächliche Wasserdampfgehalt in der Luft bezeichnet. Der Wasserdampfgehalt wird in Relation zur höchstmöglichen Aufnahmemenge gemessen. Wir sprechen hier von der relativen Luftfeuchtigkeit. In Abhängigkeit von Temperatur und Luftdruck ist die Luft in der Lage, unterschiedlich große Mengen an Wasserdampf aufzunehmen.

Die Höhe der Luftfeuchtigkeit ist für viele technische, physikalische und meteorologische Vorgänge von Bedeutung. Sie hat aber auch Einfluss auf die Gesundheit und das Behaglichkeitsempfinden von Mensch und Tier.

Luftfeuchtigkeit in der Aussenluft

Die relative Luftfeuchte der Außenluft wird im Wesentlichen durch meteorologische Vorgänge bestimmt. Entsprechend der maximal möglichen Aufnahmemenge an Wasserdampf (Sättigung der Luft) kann der Wert der relativen Luftfeuchtigkeit jahreszeitenbedingt stark schwanken.

An feuchtwarmen Sommertagen steigt die relative Luftfeuchtigkeit gerne einmal auf 60 oder 70%. An kalten Wintertagen beträgt sie in der Regel jedoch kaum mehr als 20 bis 30 %.

Luftfeuchtigkeit in der Raumluft

Die Luftfeuchtigkeit im Raum wird zunächst bestimmt durch den Luftfeuchtigkeitsgehalt der Außenluft. Sie wird jedoch durch Aktivitäten wie Kochen oder Duschen deutlich erhöht. Auch Zimmerpflanzen können Einfluss auf die Raumluftfeuchtigkeit nehmen und diese erhöhen. Gleichzeitig kann sie durch Bauelemente, wie Holzfußböden oder auch durch die Lagerung von vielen Büchern deutlich gesenkt werden.

Für den menschlichen Organismus hat sich eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 % als positiv gezeigt. Höhere Luftfeuchtigkeit kann das Raumklima in Bezug auf Milbenpopulation, Schimmelpilz-Wachstum usw. negativ beeinflussen. Eine geringere relative Luftfeuchtigkeit kann Haut und Schleimhäute austrocknen und anfälliger für die Aufnahme von Krankheitserregern machen.

Die Raumluftfeuchtigkeit kann ohne großen technischen Aufwand durch sogenannte Hygrometer überwacht werden.



Luftverbesserung

Gute, frische Luft ist reich an Sauerstoff und arm an Schadstoffen. Aber auch frische Luft in Räumen wird mit der Zeit "verbraucht". Durch das Ein- und Ausatmen anwesender Lebewesen wie Mensch und Tier, durch Thermik und andere Luftbewegungen im Raum, durch Ausdünstungen usw. wird die Luft mit der Zeit belastet und wirkt nicht mehr frisch.

Allergiker oder Menschen mit Atemwegserkrankungen reagieren vor allem auf staub- und schadstoffbelastete Luft.
Aber welche Möglichkeiten gibt es, die Raumluft effektiv zu verbessern?

Lüftungsanlagen in Gebäuden

Nicht immer ist es möglich, vor allem in bestehenden Gebäuden bauliche Veränderungen vorzunehmen, um einen gefilterten Frischluftaustausch mittels einer Lüftungsanlage sicherzustellen. Die Installationskosten oder auch einfach der Umstand, das der Vermieter es nicht erlaubt, setzten hier Grenzen.

Für Bauherren oder Hauseigentümer, die Neu- oder Umbauten planen, kann eine zentrale Lüftungsanlage jedoch eine denkbare Investition in die Gesundheit sein. Ursprünglich zur Reduzierung von Energiekosten insbesondere in Passivhäusern gedacht, können diese Anlagen, ausgestattet mit der richtigen Filtertechnik, für eine Frischluftzufuhr ohne Feinstaubbelastung sorgen.

UNTERSCHIED LUFTREINIGER - LUFTWÄSCHER

Ganz klar – in beiden Fällen erwartet der Nutzer, dass die Geräte die Raumluft auch filtern. Beide Systeme entziehen dem Raum Luft, säubern sie und geben diese anschließend gereinigt wieder in den Raum ab.

Das ist weitgehend aber auch die einzige Gemeinsamkeit dieser zwei Gerätearten, denn die grundsätzliche Funktionsweise sowie die Art und Effektivität der Reinigung unterscheiden sich sehr deutlich, auch wenn in manchen Modellen sogar einzelne Komponenten der jeweils anderen Geräteart verbaut werden. Daher ist es wichtig, die grundsätzlichen Unterschiede zwischen diesen zwei Geräten zu erkennen.

Luftreiniger

Im inneren eines Luftreinigers befinden sich meist mehrere hintereinander gelagerte Filter, durch welche die Luft gezogen und dadurch gereinigt wird. Die einzelnen Filter unterscheiden sich voneinander, je nachdem welche Aufgabe er hat bzw. welche Schadstoffe durch den jeweiligen Filter aufgefangen werden sollen. Die Zusammenstellung der Filter ist je nach Hersteller und Modell sehr unterschiedlich. Vom einfachen Vorfilter für Grobstaub, Aktivkohlefilter für Gerüche, HEPA-Filter für Pollen bis hin zum keimtötenden UV-Filter.

Luftreiniger reinigen dadurch bei einer guten Filteranordnung die Raumluft auf einem sehr hohen Niveau, weil Sie selbst kleinste Partikel, schädliche Stoffe und Gerüche der Luft entnehmen und dadurch die Schadstoffbelastung der Luft deutlich reduzieren.

Manche Luftreiniger bieten zusätzliche Funktionen wie Ionisierung oder Luftbefeuchtung an. Bei einer anstehenden Kaufentscheidung sollte man sich aber im wesentlichen auf die Grundfunktion dieser Geräteart konzentrieren - und diese ist die Luft von Schadstoffen durch Filter zu reinigen.

Nutzen von Luftreinigern:
- hilfreich bei Heuschnupfen durch die Filterung von Pollen und Sporen
- hilfreich bei Allergien durch die Filterung von Tierhaaren, Hausstaub usw.
- hilfreich bei Asthma durch die Filterung von Feinstaub (von 0,1 bis 0,3 Mikrometer), Gerüchen und gasförmigen Schadstoffen

Vorteile von Luftreinigern im Gegensatz zu Luftwäschern:
- reinigt die Luft deutlich besser (höherer Reinigungsgrad der Luft)
- reinigt die Luft deutlich schneller
- sogar sehr kleine Partikel und störende Gerüche können gefiltert werden (z.B. mit HEPA- und Aktivkohlefilter)
- Entfernung von gasförmigen Schadstoffen
- Deutlich geringerer Wartungsaufwand

Nachteile von Luftreinigern im Gegensatz zu Luftwäschern:
- meist höhere Anschaffungskosten, da die Geräte wesentlich komplexer aufgebaut sind
- höhere Folgekosten durch Ersatzfilter bei hochwertigen Filtertechnologien
- evtl. Ersatzbedarf an UV-Lampen usw.
- es erfolgt keine Befeuchtung der Raumluft

Luftwäscher

Im inneren eines Luftwäschers befinden sich an einer Walze mehrere nebeneinander angeordnete Scheiben, welche so angeordnet sind, dass sie ca. zur Hälfte in einem Wasserbehälter stehen. Die aus dem Raum angesaugte Luft wird beim Reinigungsvorgang über diese sich langsam drehenden Scheiben gezogen. Enthaltene Verunreinigungen in der Luft bleiben hierbei auf dem dünnen Wasserfilm der Scheiben hängen und werden anschließend beim Laufen der Scheibe durch das Wasserbad abgewaschen.

Die Befeuchtung der Luft erfolgt hierbei automatisch, da sich die Luft befeuchtet, wenn sie über den Wasserfilm der Scheiben gezogen wird. Die befeuchtete und gereinigte Luft wird abschließend wieder an den Raum abgegeben.

Nutzen von Luftwäschern:
- natürliche Befeuchtung der Raumluft
- Reduktion von Hausstaub
- reinigt die Raumlauft von eher größeren Partikeln wie Pollen und Pilzsporen, was sich positiv auf Heuschnupfen und Allergien
auswirken kann. Jedoch ist der Reinigungsgrad der Luft i.d.R. deutlich geringer als bei Luftreinigern.

Vorteile von Luftwäschern im Gegensatz zu Luftreinigern:
- natürliche Befeuchtung der Luft (sehr gut für das Raumklima v.a. während der Heizperiode in den Wintermonaten)
- durch den einfachen Aufbau der Geräte meist deutlich günstiger in der Anschaffung
- keine bzw. geringere Folgekosten, da keine Verbrauchsmaterialen benötigt werden. Es wird lediglich ein
Desinfektionsmittel für den Wasserbehälter benötigt, wenn das Wasser nicht täglich gewechselt werden soll.

Nachteile von Luftwäschern im Gegensatz zu Luftreinigern:
- reinigt die Luft nicht so gut (geringerer Reinigungsgrad der Luft)
- reinigt die Luft nicht in so kurzer Zeit
- Verkeimung des Systems bei unzureichender Wartung und dadurch Keimbelastung er Raumluft

Fazit zum Luftreiniger - Luftwäscher Vergleich

Vergleicht man die zwei Gerätearten Luftreiniger und Luftwäscher, so kann man ganz deutlich feststellen, dass Luftreiniger viel Besser und Schneller Verunreinigungen aus der Luft entfernen. Luftreiniger filtern durch die hochwertigen HEPA-Filter neben Pollen sogar kleinste Partikel wie gefährlichen Feinstaub, Ruß und Bakterien aus der Luft und entfernen beim vorhandenen Aktivkohlefilter zudem störende Gerüche von Tieren, Rauch, Küchendunst und Gerüche aus dem Bad.

Dies schaffen Luftwäscher in der Regel nicht so schnell und nicht in dieser Qualität. Die Stärke von Luftwäschern liegt beim Entfernen von großen Partikeln bis hin zu Pollen. Der Hauptvorteil dieser Geräteart ist jedoch, dass durch das anfeuchten der Luft die Luftfeuchtigkeit im Raum reguliert wird, was vor allem während der meist trockenen Heizperiode in den Wintermonaten sehr positiv ist, jedoch in den Sommermonaten mit ohnehin ausreichender Luftfeuchtigkeit kaum Wirkung zeigt.

Das atmen sauberer Luft sollte für uns ein Grundbedürfnis sein.

...erst darüber nachzudenken, wenn das atmen zum "Reiz-Thema" wird, ist sicherlich zu spät.